Unter diesem Titel findet die Fotoausstellung von Claus Langheinrich vom 09.10. -16.12.2020 in der Berufsschule statt.

„Die Hände stehen gleichberechtigt neben dem Kopf, die Handarbeit neben der Kopfarbeit!“
Der Fotograf Claus Langheinrich untermalt seine Aussage durch beeindruckende Bilder von handwerklich arbeitenden Menschen aus aller Welt. Auch einige Auszubildende der Berufsschule hat er bei ihrer praktischen Arbeit beobachtet und fotografisch festgehalten.
Ihre Bilder hängen mittendrin, und bilden mit den anderen aus aller Welt ein emotionsgeladenes Plädoyer für das Handwerk.

„HANDwerk“ nennt Claus Langheinrich seine 44. Fotoausstellung, die er jetzt – nach siebenjähriger Arbeit – in der Berufsschule Erding präsentiert. In dieser langen Zeitspanne hat er auf seinen weltweiten, bisweilen abenteuerlichen Reisen immer wieder Menschen bei der Arbeit beobachtet und in eindrucksvollen Farb- und Schwarzweiß-Bildern festgehalten, „was es heißt, körperlich zu arbeiten“. Nun erzählt sein Werkblock in der Freisinger Straße 89 aus Afrika, Asien, Indien, Indonesien und Europa von den Menschen und ihrer beruflichen Tätigkeit. Von den Arbeitsbedingungen, der Mühsal und den Sorgen, der Anstrengung und Konzentration, aber auch von Freude, Glück, Zufriedenheit, Stolz und Begeisterung.

Im Zentrum seines fotografischen Schaffens steht für den studierten Pädagogen – wie könnte es anders sein – der Mensch, den er auch bei dieser Bilderstrecke durch den Sucher seiner Kamera erforscht. Dabei werden Körperhaltung, Gesicht und Hände in den Mittelpunkt gerückt, werden zum Anschauungsobjekt. Abgelichtete Arbeitsstätten und Werkzeuge stellen individuelle Lebensumstände dar. Mal schön, mal schwer, mal bitter-süß. Allesamt expressive Aufnahmen mit Ausstrahlung. Bilder voller Kraft und Intensität. In jedem einzelnen erzählt der fotografische Autodidakt eine individuelle Geschichte. Und es sind nicht nur die Akteure, die arbeitenden Menschen, die Langheinrich mit seiner Kamera festhält: es ist der urbane wie ländliche Alltag als Ganzes, der in den Bildern die Lust aufs Schauen und Entdecken weckt.

Bei vielen Aufnahmen, so scheint es, ist der Fotograf mittendrin und ganz dicht dran, von unten, auf Augenhöhe der Portraitierten oder aus der Vogelperspektive, nie zufällig geschossen, immer in Bruchteilen von Sekunden komponiert, minutiös in Farbe oder Schwarzweiß fängt er die magischen Momente ein, verlässt sich auf seine Augen, das Licht und seine Gefühle. Zuweilen sind es schonungslose Bilder, mit denen Langheinrich der körperlichen Arbeit ein Gesicht gibt: Indische Frauen, die Mörtel in Schüsseln oder Steinblöcke auf dem Kopf tragen. Oder Männer, die in Java (Indonesien) Tofu kochen und Gemüse zum Markt schleppen. Den starken Typen und coolen Köpfen der Lastwagenfahrer, Hafenarbeiter und Schuhputzer, mit denen er das Leidvolle und Schockierende ans Licht holt, stellt er das Erfüllende in der Arbeit der „Kerle-Welt“ gegenüber, wenn er beispielsweise eine mongolische Yak-Melkerin oder eine usbekische Spinnerin fokussiert, Alltagsmomente visuell einfriert und dabei von Freude und Erfüllung facettenreich berichtet.

Ganz anders die Szenen aus der Welt der Ausbildung in der Berufsschule Erding: Tagelang hat der Lengdorfer Fotograf dort die jungen Leute bei ihrer praktischen Arbeit beobachtet und mit viel Empathie und Nähe festgehalten, wie sich Arbeit für sie anfühlt. Auch hier vermitteln seine Protagonisten, die Auszubildenden aus den Bereichen Holz, Bau, Friseure, Fluggerätemechaniker und Gastronomie, ungestellt, nuancenreich und eindrucksvoll die Welt der Arbeit in authentischen Bildern. Auch ihre Portraits hängen jetzt an den Wänden der Berufsschule Erding, mittendrin neben den anderen aus aller Welt und fügen sich zusammen zu einem fotografischen Essay rund um das Thema „körperliche Arbeit“ und - zu einem Kaleidoskop an Emotionen.

Mit seiner durch die Kamera erzählten Geschichten aus der Arbeitswelt will Langheinrich auch seine Wertschätzung der körperlichen Arbeit zum Ausdruck bringen. „Die Hände stehen gleichberechtigt neben dem Kopf, die Handarbeit neben der Kopfarbeit – auch, wenn das bei vielen Menschen noch nicht angekommen ist“, formuliert der Lengdorfer Fotograf und Pädagoge. Seine Bilderstrecke soll „erzählen, nicht bewerten, nicht beurteilen. Sie soll im Kopf der Betrachter eigene Geschichten, eigene Gedanken auslösen.“

Die Ausstellung ist vom 9. Oktober bis 16. Dezember während der Schulzeit von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis
16 Uhr geöffnet. Die Ausstellungsbesucher werden gebeten, auf Abstandsregelung und Hygienevorschriften zu achten. Eine Vernissage ist Corona-bedingt nicht vorgesehen.