Information des ISB zu den EU-Bildungsprogrammen

 

Leonardo da Vinci-Mobilität (IVT - Erstausbildung)

Leonardo da Vinci ist das Programm der Europäischen Union im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Damit soll die persönliche und fachliche Entwicklung der Teilnehmer gefördert werden, um die Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Die mehrwöchigen Praktika werden dabei von der EU finanziell gefördert.

Die Abteilung Fluggerättechnik der Staatlichen Berufsschule Erding und die Abteilung Flugtechnik der technischen Fachoberschule Istituto Tecnico Industriale "A. Malignani" in Udine, hatten sich beide als Partnerschulen im Frühjahr 2008 erfolgreich bei ihren jeweiligen Nationalen Agenturen für die Durchführung einer Schülermobilität im Rahmen dieses EU-Bildungsprogrammes beworben. Die Projektnummer des deutschen Antrags lautet: DE/08/LLP-LdV/IVT/280356 (Transnational mobility for the European dimension of vocational training). Die beiden Schulen organisierten beide jeweils als entsendende und aufnehmende Einrichtung diese Mobilität.

Die insgesamt 24 italienischen Schüler absolvierten ihre zweiwöchigen Praktika am Flughafen München bei der Lufthansa Technical Training GmbH bzw. Lufthansa Technik und bei der Augsburg Airways GmbH, sowie in der Ausbildungswerkstatt des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1 in Erding. Die insgesamt 16 deutschen Schüler absolvierten ihre dreiwöchigen Praktika bei der italienischen Luftfahrtgesellschaft Air Dolomiti S.p.A. L.A.R.E. am Flughafen Triest und am Flughafen Verona.

 

Was wurde bezahlt?

Um die Mobilität vorzubereiten (sprachlich, pädagogisch, kulturell) erhielt die Schule eine Vorbereitungspauschale in der Höhe von 100,- € pro Schüler. Jeder deutsche Schüler erhielt ein Stipendium für Fahrt, Unterkunft und Versicherung in der Höhe von 709,- €. Für die Organisation (Verwaltung und Begleitung) hat die EU insgesamt 1700,- € bereitgestellt. Damit wurde das Projekt mit insgesamt 15664,- € gefördert. Zusätzlich wurden sogenannte Komplementärgelder bei der Regierung von Oberbayern beantragt. (Anm.: Dieser Antrag wird noch bearbeitet!)

 

Wer wurde ausgewählt?

Die Teilnehmer wurden nach schulischer (Schulnoten) und fachlicher Leistung (Team- und Kooperationsfähigkeit und Fremdsprachenkenntnissse) sowie nach persönlicher Reife und den Grad der vorhandenen Werte und Tugenden (Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Fleiß und Lernbereitschaft) in Absprache mit ihren Ausbildungsbetrieben ausgesucht. Die Schüler wurden angehalten, im Rahmen eines "kleinen" Bewerbungsverfahrens den "europass Lebenslauf" mit einer Kurzversion des "europass Sprachenpass" in Deutsch und Englisch auszufüllen und vorzulegen. Dieser Lebenslauf wurde im Rahmen des EDV-Unterrichts in der 11. Jahrgangsstufe online mithilfe der Webseite www.europass-info.de erstellt. Sie sollten außerdem in einem kleinen Aufsatz erläutern, warum Sie an diesem Projekt teilnehmen möchten. Ein weiteres Kriterium war die Bereitschaft, auch italienische Austauschschüler in der eigenen Familie aufzunehmen. Allerdings zeigte sich in dieser Phase des Projekts, dass viele unserer Schüler in WGs und in kleinen Appartements wohnen und wegen Platzmangel kaum Gastschüler aufnehmen konnten.

 

Wie wurden die Schüler vorbereitet?

Von der Vorbereitungspauschale wurde ein 5-tägiger je 2-stündiger Italienischkurs finanziert, der im Anschluss an den normalen Berufsschulunterricht in der Berufsschule stattfand. Als Lehrkraft konnte Frau Hochreiter gewonnen werden. Aus den Mittel wurden auch ein Kursbuch und ein Wörterbuch pro Schüler bezahlt.

Außerdem wurde der vom Institut für Interkulturelle Kommunikation (www.inkup.uni-passau.de) an der Universität Passau e. V. angebotene interaktive Parcours zum Erwerb interkultureller Kompetenz "Anleitung zum Fremdgehen" im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung am 13. Juli 2009 an unserer Schule durchgeführt. Die sieben Studenten der Uni Passau und die Schüler der damaligen Fg 11i, Fg 11l und Fg 11t hatten sichtlich Spass an diesem außergewöhnlichen Unterricht, der unter Ausschluss der sonst unterrichtenden Lehrkräfte stattfand.

Wie fand der Austausch statt?

Vom 13.09.2009 bis zum 27.09.2009 entsendete die italienische Schule eine erste Entsendegruppe (= Flow) mit 12 Schülern für zwei Wochen nach Deutschland. Die Schüler wurden teils in Gastfamilien und im Landschulheim der Berufsschule in Erding untergebracht. Nach einem Rundgang und Besichtigung der Berufsschule wurde den Schülern das duale System der BRD, das bayerische Schulsystem und die EASA-Zertifizierung der Staatlichen Berufsschule Erding erläutert. Während des Aufenthaltes wurden u.a. das Deutsche Museum in München und die Innenstadt von München besichtigt. Ein Highlight war für die italienischen Schüler während des Aufenthaltes auch das zeitgleich stattfindende Oktoberfest. Leider resultierten daraus auch einige Probleme mit dieser Schülergruppe.

Die deutsche Schule entsendete dann im Gegenzug vom 26.10.2009 bis zum 13.11.2009 acht Schüler der 12. Jahrgangsstufe für drei Wochen nach Udine in Italien. Die Schüler wurden dort herzlich in ihren Gastfamilien aufgenommen. Vor dem ersten Praktikumstag wurden die italienische Schule und die Innenstadt von Udine besichtigt. Die deutschen Auszubildenden wurden bei Air Dolomiti in Triest in der Instandhaltung, Wartung und Überholung von Flugzeugen und Triebwerken eingesetzt.


Am Freitag, den 30.10.2009, besuchte die Gruppe die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe "Frecce Tricolori" auf ihren Flugplatz in Rivolto in der Nähe von Udine. Die Schüler dürften den ersten Trainingsflug am Morgen beobachten. Sie hatten außerdem die Gelegenheit, den Triebwerksshop und die Instandhaltungshalle zu besichtigen. Da die Kontaktlehrerin der italienischen Schule, Frau Gasparini, über gute Kontakte zu ehemaligen Schülern ihrer Schule verfügt, die jetzt Piloten und Mechaniker dieser Kunstflugstaffel sind, wurden unsere deutschen Schüler noch ins Clubheim zum Kickern eingeladen. Hier wurde noch ordentlich gefachsimpelt und so manche Story erzählt.

Am 01.11.2009 fuhr diese Schülergruppe bei schönstem Ausflugswetter mit dem Zug von Udine nach Venedig. Vom Bahnhof S. Lucia aus ging es quer durch Venedig, dann über die Brücke Ponte di Rialto, die den Canale Grande überspannt, zum Piazza San Marco (Markusplatz). Nach einem Spaziergang entlang der Uferpromenade des Canale di San Marco ging es über die Brücke Ponte di Academia in das studentische Viertel von Venedig. Dort konnte man die alten Speicher der Stadt und auch eine Werft für die berühmten Gondeln anschauen. Abends ging es wieder zurück nach Udine. Am zweiten Wochenende hatten die Schüler die Gelegenheit auf eigene Faust die Hafenstadt Triest und seine Umgebung, wie z.B. das Schloss Miramare, anzuschauen.

 

Eine zweite deutsche Schülergruppe fuhr dann zwischen 24.01.2010 und 13.02.2010 nach Verona in der Nähe vom Gardasee. Die Fluggesellschaft Air Dolomiti hatte überraschend nach über 20 Jahren den Instandhaltungsshop am Flughafen von Triest geschlossen und nach Verona verlagert. Die Finanzkrise und der Umsatzrückgang in der Luftfahrt zwingt die Branche dazu, schnell Kosten einzusparen. Außerdem sind die neuen Flugzeuge vom Typ Embraer 195 zu groß für den Hangar in Triest. Das Konzept der Übernachtungen in Gastfamilien musste leider aufgrund der großen Entfernung zwischen Verona und Udine aufgegeben werden. Die Schüler wurden daraufhin in zwei Wohnheimen der Don Bosco Stiftungen in der Innenstadt von Verona untergebracht.

 

Auch diese Gruppe hatte wieder die Gelegenheit mit dem Zug nach Venedig zu fahren. Nur war diesmal am 06.02.2010 das Wetter etwas schlechter als beim ersten Besuch. Allerdings konnte man Venezianer beobachten, die in prunkvollen Karnevalskostümen durch die Stadt gingen. Am anderen Wochenende organisierten die Schüler einen Ausflug zum Gardasee und besuchten die idyllischen Orte Sirmione und Lazise. Aber auch die Stadt Verona hat mit dem Amphitheater und den historischen Plätzen Piazza Bra und Piazza Erbe einiges zu bieten. Wer es auch romantisch mag, sollte das Haus der Julia (Casa di Giulietta) und sich dessen Balkon anschauen. Hier hat sich angeblich Shakespeares zu seiner Tragödie von "Romeo und Julia" inspirieren lassen.

Während der Woche müssten die Schüler allerdings auch arbeiten. U.a. wurden bei einer ATR 42-500 im Rahmen einer 800-Stunden-Inspektion die Sitze aus der Passagierkabine entfernt und der Rumpf nach Korrosion untersucht. Sogar ein stark korrodierter Stringer wurde ausgetauscht.

Zwischen dem 14.03.2010 bis zum 28.03.2010 entsendet die italienische Schule ihre zweite Gruppe mit wiederum 12 Schülern für zwei Wochen nach Deutschland. Diesmal wurden die Schüler nicht im Landschulheim und bei Gastfamilien untergebracht, sondern in Unterkünften auf dem Gelände der Luftwaffe in Erding. Die Schüler konnten dort in der Truppenküche sogar mit Essen versorgt werden.

Für alle teilnehmenden Schüler wurde auf der eTwinning-Webseite (www.etwinning.net) eine geschlossene Kommunikationsplattform "TwinSpace" (http://new-twinspace.etwinning.net) mit Blog, Chat, Briefkasten, Bildergalerien und Dateiordner eingerichtet. Allerdings wurde zu Beginn des Projekts von der EU die Webseite umstrukturiert. Die Datenbank lief zu dieser Zeit nur sehr instabil und es gab auch noch kein Benutzerhandbuch. Für zukünftige Projekte kann man die Plattform jedoch wieder empfehlen.

(Hinweis an die beteiligten Schüler: Nach dem Einloggen bitte das Projekt "Transnational mobility for the European dimension of vocational training" anklicken und unter "My Account" (den Mauszeiger unter den schwarzen Balken rechts oben bewegen) bei "display settings" unter "Language" die deutsche Sprache auswählen und die Einstellungen mit "Save" speichern. Dann bitte auch unter "My Account" die eigene E-Mail-Adresse eingeben!)

Fazit:
Unsere Schüler konnten viele Informationen und Eindrücke über ein Land gewinnen, in dem man sonst nur Urlaub macht. Jedes Land hat seine eigenen kulinarischen Höhepunkte (z.B. Bier, Brezn, Weißwurst und Schweinsbraten sowie Wein, Cappuccino, Aperol Sprizz, Pizza, und Spaghetti) und Arbeitsmentalitäten. Viele Schüler konnten sich nach dem Austausch vorstellen, auch im jeweiligen anderen Land zu leben und zu arbeiten.

Für die italienischen Schüler war insbesondere das duale System der deutschen Berufsausbildung ganz interessant. Die Schüler in Udine besuchen eine fünfjährige Vollzeitschule und eignen sich eher theoretisches Wissen an, als praktisches Wissen an modernen zivilen und militärischen Flugzeugen. Die Schule verfügt über eine riesige Halle mit eher historischen Flugzeugen. Die Schüler müssen sich dann als ca. 19-Jährige bei einer Fluggesellschaft bewerben und über mehrmonatige Lehrgänge, die z. B. in Oberpfaffenhoffen bei München angeboten werden, die EASA-Lizenz erwerben.

Die EASA (European Aviation Safety Agency) ist die oberste europäische Luftfahrtbehörde mit Sitz in Köln, die für alle Länder der EU einen einheitlichen Mindeststandart bzgl. der Ausbildung von Piloten und Fluggerätmechaniker, der Instandhaltung von Fluggeräten und auch deren Zulassung vorschreibt. Mit dieser Lizenz erhält man eine Instandhaltungs- und auch Freigabeberechtigung für Fluggeräte.

Unsere deutschen Schüler erhalten mit dem IHK-Abschluss nur die Instandhaltungsberechtigung. Die Freigabeberechtigung erhalten sie erst, wenn sie zehn verschiedene EASA-Module an der Staatlichen Berufsschule Erding erfolgreich abgelegt und den entsprechenden Praxisanteil in den Ausbildungsbetrieben nachweisen können. Die Staatliche Berufsschule Erding hat sich dazu als Ausbildungsstelle nach EASA Teil-147 vom Luftfahrt-Bundesamt zertifizieren lassen. Die italienische Fachoberschule Istituto Tecnico Industriale "A. Malignani" strebt seit einiger Zeit ebenfalls diese Zertifizierung an. Beide Länder haben auf nationaler Ebene immer noch Probleme mit der Ausbildung zum Fluggerätmechaniker, die durch die Einführung der EASA im Jahr 2003 entstanden sind.

Projektverantwortlicher: OStR Jens-Peter Koch

Derzeit stehen folgende Dokumente zum Download und zur freien Verwendung zur Verfügung:

Folgende Pressemitteilungen sind bis jetzt erschienen:

 


„Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.“